Nordisch für Zugereiste 9 – Tüddeln oder Tüdern

Tüddel13Gute Frage. Manchmal komme ich beim „tüddeln“ und „tüdern“ richtig „in tüddel“. Sowie neulich beim „Büddel“. Da kam bei mir die Frage auf, heißt es: „Tüddelbüddel“ oder „Tüderbüddel“? Wenn ich es so vor mich hin nuschele, können beide Variationen herauskommen.

Ich versuche, es mal aufzudröseln.

Tüddel1Tüddeln“ kann man am Besten mit „durcheinander kommen“, „verwirrt sein“ übersetzen.

Demente Menschen sind auch „tüddelich im Kopf“ und das ist wohlwollend gemeint.

In einer Gruppe, in der alle durcheinanderreden und jeder etwas von einem will, wird man leicht „tüddelich im Kopf“, da man nicht mehr weiß, wer was von einem will.

Tüddel11

Hat jemand eine total abwegige Idee, wird ihm auch schon mal nachgesagt, er sei „tüddelich im Kopf“.

 

Tüddel7

Rumtüddeln“ dagegen hat nichts mit einem wirren Kopf oder einem alkoholischen Getränk zu tun.                  Wobei ? – Das eine zum anderen führen kann.

Beim „rumtüddeln“ macht man Dinge, die nicht wirklich wichtig sind. Wie Tüddel9Visitenkarten gestalten, ohne dass man sie braucht. Erst sucht man im Internet nach dem günstigsten Anbieter, dann bastelt man am Design und zum Schluss bestellt man sie. Man „tüddelt“ eben rum.

Beim „Rumtüddeln“ kann man auch Dinge erledigen, die eben gemacht werden müssen. Wie ein Kükenstall bauen, ein Bild aufhängen oder Papierkram erledigen, …                                                                                                                                             Hm, geht es darum aufzuräumen, Ordnung zu schaffen, kann man hier auch „rumtüdern“ sagen.

Noch alles klar? Einen „Tüddel“ habe ich noch, den aus dem „Tüddelband“ Lied.

An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüddelband“                                                                  „An der Ecke steht ein Junge mit einem Seil“Tüddel8Wenn he blots nich mit de Been in’n Tüddel kommt“                                               „wenn er sich nur nicht mit den Beinen verheddert“

Tüddel5

Hier stellt sich mir die Frage, ob nicht vielleicht ein „Tüderband“ gemeint ist. Das wäre so, wenn der Junge etwas „antüdern“ wollte, was nicht der Fall ist. Er „tüddelt“ nur mit dem Seil rum.

Aber was ist ein „Tüderband“ und wozu braucht man es? Zum „Tüdern“ natürlich. Kleiner Scherz.

Tüddel10Ein „Tüderband“ ist ein Strick, mit dem man Kühe, Schafe oder Ziegen anbindet. Der Strick ist am anderen Ende mit einem Pflock verbunden und dieser Pflock ist im Grasboden verankert.

Nachdem die Tiere das Gras in ihrem Umkreis aufgefressen haben, werden sie samt Pflock umgesetzt. Tüddel4

Das nennt man „Tüdern“, das Tier ist „getüdert“.

Man kann aber auch andere Dinge „antüdern“, und zwar wenn etwas ordentlich angebunden wird, sodass es auch lange hält.                                                        Aber Achtung, wenn etwas ganz schlampig oder ohne Sinn „angetüdert“ wurde, wurde es eher „angetüddelt“.                                                                                                   Also:                                                                                                                                    Wenn man etwas ordentlich anbindet, sodass es auch lange hält, „tüdert“ man es an.

Tüddel2    Tüddel3  

  Wenn man aber etwas auf die Schnelle anbindet und es nicht lange halten muss, „tüddelt“ man es an.

Tüdern“ oder „vertüdern“ bedeuten auch, etwas in Unordnung bringen.            Aber wenn man sich um das Wohl eines Kranken bemüht, „betüdert“ man ihn.

Tüddel6

Ob man sich selbst einen „antüddelt“ oder „antüdert“ ist egal, Hauptsache man hat am nächsten Tag keinen „Haarbüddel“.

 

Ob man „tüddeln“ und „tüdern“ mit einem oder zwei „d“ s schreibt, da scheiden sich die Geister. Die einen sagen so, die anderen so. Wichtiger ist, dass man das „ü“ richtig spricht. Es wird – egal wieviele „d“ s ihm folgen – lang ausgesprochen wie bei „Tüte“.                                                     Tüddel12Eins kann ich aber sicher sagen, die „Tüddelchen“ über den Umlauten haben weder etwas mit „tüddeln“ noch mit „tüdern“ zu tun.

Noch Fragen?

 

Helgoland

Helgoland19Ich war am Wochenende auf Helgoland und ich will niemandem diese schöne Insel vorenthalten.

Ich dachte erst, eine Nordseeinsel hat nicht viel mit Angeln zu tun. Als ich mir aber die Geschichte ansah, stellte ich fest, dass Helgoland von 1713 – 1814 dem Herzogtum Schleswig unterstellt war. Der Bezug zu Angeln ist also da.

Helgoland23

Diese kleine Insel, ein roter Klotz in der Nordsee, bietet einige Höhepunkte.                              Nach einer ca. 3-stündigen Schifffahrt von Büsum aus, ankert das Schiff vor dem Hafen.

Helgoland18                                                               

Die Passagiere werden von dort ausgebootet und mit „Börtebooten“ an Land gebracht. Bei der Rückfahrt das Gleiche, nur umgekehrt; und je rauer die See ist, umso spannender ist das Ein- und Ausbooten.

Ist man an Land und hat die Seekrankheit überwunden, geht es in Richtung Oberland.Die Geschäftszeile kann man erst einmal links liegen lassen, zollfrei einkaufen kann man ja zur Not noch kurz vor Abfahrt.

Helgoland25

Der Weg vom Unterland zum Oberland führt entweder über eine von drei Treppen (182 bis 260 Stufen) oder man nimmt den Fahrstuhl. Nach ein paar Häusern, es sind wirklich nur ein paar, fängt auch schon die Natur an. Richtung „Lange Anna“ wird es entlang der Klippen immer lauter und die Vogeldichte geht am „Lummenfelsen“, dem kleinsten Naturschutzgebiet Deutschlands, in die Tausende.

Helgoland2

Von weitem sieht es aus, als ob schwarze Streifen das Gestein durchzieht, wenn man aber näher kommt, sind es tausende Trottellummen bei der Brutpflege.

Die steilen Klippen sind voll von brütenden Trottellummen, Basstölpeln, Dreizehenmöwen und anderen Seevögeln. Das Faszinierende ist, dass weder Eier, Küken noch Altvögel runter fallen. Außerdem herrscht ein rege Flugverkehr.Helgoland1 

Helgoland24Die Küken der Trottellummen müssen im Alter von ca. 3 Wochen von den bis zu 50 m hohen Klippen springen. Was ist schlimmer, wenn man nicht fliegen kann ? Mit 3 Kilo zu springen oder mit 3 Wochen? Die Väter der Küken schwimmen dazu auf dem Wasser und rufen ihre Jungen. Diese springen und landen unbeschadet am Ufer oder in der Nordsee. Man nennt das Spektakel auch „Lummensprung“. Er ist in der Zeit von Mitte Juni bis Mitte Juli zu sehen.

Helgoland4

An die Basstölpel kommt man auf Armeslänge heran, nur getrennt durch ein Geländer. Sie turteln, brüten und versorgen ihre Jungen und sie lassen sich dabei nicht von den Menschen stören, die in Scharen mit Fotoapparaten an dem Geländer kleben. Es ist natürlich geboten einen Respektabstand zu halten. Wenn man merkt das sich die Vögel gestört fühlen, soll man sich zurück ziehen.

Helgoland5

Wenn man sich von den Vögeln lösen kann, geht es von der Hauptinsel auf die Nebeninsel, die „Düne“.

Helgoland21Dort erwartet einem ein schöner, breiter Sandstrand und – was an der Nordsee nicht selbstverständlich ist – es ist Wasser da, auch bei Ebbe.

Helgoland10Etwas irritierend sind die vielen kleinen schwarzen Bojen, die scheinbar emotionslos im Wasser dümpeln. Kommt man aber an die Wasserkante, kann man erkennen, dass es Seehunde sind, die ihre Köpfe auf dem Wasser recken, auch kabbelten sich Seehunde im seichten Wasser.Helgoland11Helgoland8Die Seehunde machen sich einen Spaß daraus, mit Schwung auf die Menschen zu schwimmen, sodass man schnell zurückweichen muss, da man 30 m Abstand halten soll. Danach fläzen sie sich im Flachwasser.Helgoland9Am hinteren Ende vom Strand liegen ca. 50 Kegelrobben und machen sich einen faulen Lenz.Helgoland12 Kegelrobben sind ganz schöne Kaventsmänner, man gut, sie sind friedlich gestimmt.

Helgoland13Helgoland15Helgoland14

Hier gilt das Gleiche wie bei den Vögeln: fühlen sie sich gestört, ist Rückzug angesagt.

Die Tierwelt von Helgoland ist beeindruckend, tausende Vögel, entspannte Seehunde und Kegelrobben. Helgoland41Es lohnt sich die Insel zu besuchen, am besten während der Brutzeit zwischen Mai und Juli, da außerhalb der Brutzeit die Seevögel nicht da sind.

Vielleicht findet ihr, in der Galerie, noch Küken und Eier.

Nordisch für Zugereiste 8 – Büddel

Büddel5Scheinbar ein einfaches Wort, leicht zu übersetzen „Büddel –> Beutel“ fertig. Ja und? Natürlich ist es nicht ganz so einfach; denn es gibt nicht nur einen „Büddel“.

Büddel3Der „Einkaufsbüddel“ ist wohl jedem bekannt, da es allgemein üblich ist einen Einkaufsbeutel, -tasche beim Einkaufen dabei zu haben. Auch „Müllbüddel“ und „Wäschebüddel“ lassen sich noch leicht herleiten.

Büddel1Beim „Postbüddel“ sieht es schon anders aus; denn es ist nicht der Büddel2Postsack damit gemeint. Der „Postbüddel“ ist bei uns der Briefträger und nicht jeder mag „Postbüddel“ genannt werden, die meisten sehen das aber entspannt.

Der „Haarbüddel“ – „Haarbeutel“ hat dagegen so überhaupt nichts mit einem Beutel zu tun und auch nur sehr entfernt mit Haaren, man kann ihn auch nicht in die Hand nehmen. Es ist also keine „Mitropa-Duschhaube“.               Büddel7

Den „Haarbüddel“ bekommt man hinBüddel6 und wieder nach einem geselligen Abend, wenn die Gläser ziemlich tief waren. Am nächsten Morgen ist er dann da, der dicke Kopf, der Kater, leider nicht der auf vier Pfoten.

Büddel4

Den Kindern ist der „Tüddelbüddel“ vorbehalten, manchmal findet man ihn auch bei Opa. Dieser „Büddel“ ist aber auch nicht in die Hand zu nehmen. Wörtlich übersetzt ist er ein phantasievoller „Quatschkopfbeutel“. Alles klar? Nee? Ein Kind, das Geschichten erzählt, uns phantasievoll, nicht immer die Realität treffend, die Welt erklärt, ist ein „Tüddelbüddel“.                                                                                                       Manchmal bin ich es hier auch, wenn ich versuche Euch die Welt „Angeln“ zu erklären.                                                                          

Begrüßung mal anders

Die gängige Begrüßung mit „Moin“ hatte ich ja schon erklärt. Es gibt aber eine Feinheit, die ich nicht verschweigen will.Du1Seine Freunde und Kumpel begrüßt man ja oft mit Handschlag und Namen. Daran ist noch nichts besonders.
Denn nicht dass wir das machen, sondern wie, das ist bei uns speziell. Wenn Kai und Lars sich begrüßen, sieht das so aus: Kai sagt zu Lars: „Lars?“ und Lars sagt zu Kai: „Kai?“ Ok, so kennt es wohl jeder.
Du2Jeder würde dazu noch bemerken, dass sich ein Tippfehler eingeschlichen hat; denn das Fragezeichen soll sicher ein Ausrufezeichen sein. Nein, das ist kein Tippfehler. Hier wird die Begrüßung als Frage gestellt, als ob man sich nicht mehr sicher ist, wie der Freund heißt.                       

Fragt mich bitte nicht, wieso wir das so machen. Und keine Angst wir sind hier im Norden, nicht kollektiv tüddelich, mir scheint es ein klarer Fall von „ist eben so“ oder „nicht fragen, nur wundern“ zu sein. Man kann es sich aber noch leicht merken.
Ganz so einfach ist es jedoch nicht; denn ohne Regel keine Ausnahme.

Du4Wenn man nämlich, bei der Begrüßung, ein „Moin“ vor den Namen setzt: „Moin Lars!“ oder „Moin Kai!“ wird daraus ein normaler Aussagesatz. Es stellt sich immer wieder heraus, dass man mit dem einfachen „Moin“ am Besten durchs Leben geht.   

In diesem Zuge kann ich auch noch die Frage mit dem „Du“, „Sie“ oder „Er“ klären. „Er“ in der dritten Person fällt weg, wir haben keine Könige mehr.        Beim „Du“ oder „Sie“ ist es schon kniffeliger. Wenn ein Bankangestellter einen Kunden in der Stadt mit „Du“ anspricht, wird er sicherlich schief angeschaut, wenn nicht sogar zurechtgewiesen. Wenn aber ein Bankangestellter einen Kunden auf dem Land mit „Sie“ anspricht, wird er sicherlich schief angeschaut, wenn nicht sogar zurechtgewiesen.Du5Im Alltag ist es so, dass in der Stadt eher das „Sie“ angebracht ist und auf dem Land eher das „Du“. Am einfachsten ist es darauf zu warten, was das Gegenüber sagt. Hier oben an der Grenze zu Dänemark, ja die Dänen wieder, wird mit dem „Du“ und „Sie“ gelassen umgegangen, da in Dänemark, mit Ausnahme der Königin, sich mit „Du“ angesprochen wird. Dadurch breitet sich das „Du“ bei uns langsam von Nord nach Süd aus.Du3

Nordisch für Zugereiste 7 – naschig

naschig8

Oh, lecker gibt es jetzt Schokolade? Nein, leider nicht.

„Naschig“ ist ein Wetterphänomen, welches ich eigentlich nicht im Sommerhalbjahr erklären wollte, aber die letzte Woche hat mir keine Wahl gelassen.

naschig1

Ich war mir auch lange gar nicht sicher, ob das überhaupt ein nordisches Wort ist oder ob es das nur speziell in unserer Familie gibt. Denn immer wenn ich sage: „Man was haben wir heute wieder für ein naschiges Wetter“, kucken mich die Leute an und fragen, was ich damit meine. Anscheinend gehört es nur in meiner Familie zum ganz normalen Sprachgebrauch.

Im Zuge meiner Recherchen habe ich dann doch einen Artikel gefunden, der naschiges Wetter als eine Variante von Regenwetter aufzählt.naschig5Naschiges Wetter ist richtig ungemütlich, grau und trüb, wie man an den Bildern sieht. Die Sonne hat sich vom Acker gemacht und vom Himmel leuchten graue Regenwolken. Es nieselt mehr oder weniger die ganze Zeit. Regenschauer, im Winter auch gern Schnee-, Hagel- oder Graupelschauer, werden eingestreut. Die Nässe kriecht langsam die Ärmel und Hosenbeine hoch, alles ist klamm.

naschig4Es ist ausnahmsweise wenig Wind, der das trübe Wetter wegpusten kann. Der Löwenzahn weigert sich seine Blüten zu öffnen, die Natur wartet verzweifelt darauf endlich loszulegen.

naschig7Das Fahrrad ist aus dem Winterschlaf geholt und fahrtauglich gemacht, aber bei dem Wetter macht es einfach kein Spaß vor die Tür zu gehen, geschweige denn Fahrrad zu fahren. Am besten lässt es sich auf dem Sofa aushalten, von wo aus man das Elend nur durch das Fenster sehen muss. Selbst ich, die das schleswig – holsteinische Schmuddelwetter mag, habe nach drei Tagen genug davon.

Das einzig Gute am naschigen Wetter ist, dass das Wetter wieder besser wird. Die Sonne scheint wieder und der Löwenzahn zeigt seine Blüten, in voller Pracht.naschig9

Die Schlei

Schlei5Die Schlei ist die südliche Begrenzung Angelns. Sie teilt Angeln und Schwansen in zwei Halbinseln.                                                                       Seit Oktober 2008 ist die Region um die Schlei als Naturpark Schlei anerkannt.

Entstanden ist sie in der Eiszeit. Als das Eis zurückging, ist zwischen dem heutigen Schleswig und Schleimünde eine ca. 43 km lange Rinne mit einer durchschnittlichen Tiefe von 3 m entstanden. Die Schlei ist ein Brackwasser-Gewässer. Bei Schleimünde ist der Salzgehalt bei ca. 1,8 %, wie in der Ostsee, in Schleswig liegt er dann nur noch bei ca. 0,5 %.Schlei7Aber was genau ist die Schlei? Eine Förde, Fjord, Fluss oder was? Die Frage ist gar nicht so einfach. Ein Fluss ist sie sicher nicht aber auch bei Förde und Fjord teilen sich die Meinungen, auf jeden Fall ist sie ein Meeresarm der Ostsee.

Schlei6Die Ufer der Schlei wurden schon vor mindestens 4000 v.Chr. besiedelt. Um 500 n.Chr. wanderten viele Angelner nach England aus. Um 770 n.Chr. entstand das Handelszentrum Haithabu, eine Bedeutende Wikingersiedlung. Die Handelswege der Wikinger zwischen Nord- und Ostsee gingen die Schlei entlang von der Mündung ins Landesinnere. Von da wurden die Schiffe einige Kilometer über das Land zur Eider geschleppt, die einen direkten Zugang zur Nordsee hat. Schlei10Auch führte der Ochsenweg,  die Nord – Südverbindung, von Dänemark nach Hamburg, an der Schlei vorbei.      Zum Ausgang der Wikingerzeit um 1050 n.Chr. verlor die Schlei ihre Bedeutung als Handelsweg, da die Schiffe immer größer wurden und so die Schlei für Handelsschiffe nicht mehr schiffbar war.

Auf der Schlei wurde schon immer gefischt, hauptsächlich Hering, Aal, Schleischnäpel und andere Weißfische. An den Ufern haben sich viele Fischerdörfer, Arnis, Missunde, Sieseby und der Holm bei Schleswig, angesiedelt. Der Holm ist bis heute die letzte echte Fischersiedlung, ein richtiger Touristenmagnet.Schlei1Schlei2

Heute sind der Tourismus und der Wassersport die größten Wirtschaftszweige. Die Schlei ist ein beliebtes Segelrevier, auch Radfahrer kommen hier auf ihre Kosten und durch die Nähe der Ostsee kann man einen schönen Strandurlaub machen. Kultur findet man auch in der weitläufigen Gegend.

 

 

Schlei8Ein besonderer Anziehungspunkt sind die Heringe. Im Frühling ziehen die Heringe zum Laichen die gesamte Ostseeküste und speziell in die Schlei hoch.                                                                 Durch die geringe Breite der Schlei ist das Fischen von Heringen einfacher als an der Küste. Im Frühjahr kommen in etwa genau so viele Angler wie Heringe. Eine besondere Fangmethode ist die mit Heringszäune, diese sind trichterförmig zulaufende Holzzäune an deren Ende Netze angebracht sind.                            Früher gab es ca. 40 Heringszäune an der Schlei. Heute gibt es nur noch einen in Europa, der auch noch befischt wird und der ist in Kappeln. Dieser wurde erstmals 1451 erwähnt und steht sei Mitte der 1970er unter Denkmalschutz.

Seit 38 Jahren werden in Kappeln die Heringstage gefeiert, 4 Tage von Himmelfahrt bis zum folgenden Sonntag. Schlei9Am ersten Tag wird ein Heringskönigspaar gekrönt. Prominente fahren mit dem Schiff an die Heringszäune, hier holt ein Fischer das Netz ein. Die Prominenten müssen jetzt schätzen, wie schwer die Fische im Netz sind. Der- und Diejenige, die am dichtesten am Gewicht sind, sind die Heringskönige für das folgende Jahr. Nachdem die Prominenten mit ihrer Wette fertig sind, darf das Fußvolk die Anzahl der gefangenen Heringe tippen. Hier werden die Besten am Sonntag geehrt. An allen Tagen gibt es ein reichhaltiges Rahmenprogramm.

Es gibt natürlich noch viel mehr über die Schlei zu berichten, aber dazu später mehr.

Schlei11

Nordisch für Zugereiste 6 – kötern

kötern6Wenn du einem Hund etwas zu fressen gibt, denkt er:      „Du musst Gott sein.“                                                            Wenn du einer Katze etwas zu fressen gibst, denkt sie:   „Ich muss Gott sein.“

Nein ich will hier nicht groß über Hunde schreiben und erst recht nicht über Kötern, im  Dativ Plural des Substantivs Köter. Mein kötern ist ein Verb und nicht den Hunden vorbehalten und schon gar nicht den Dackeln.                                           Nein, alle andere zahme Tiere, mit Kontrollzwängen, sind dazu in der Lage, aber auch Menschen können es, je jünger, umso besser.kötern7Bei kleinen Kindern ist es auch noch normal, sie hängen eben am Rockzipfel der Mutter, kleine Hunde und Katzen hängen auch an diesem Rockzipfel. Irgendwann verwächst es sich aber.                                                                                                        Die meisten kennen das bestimmt. Man beginnt eine neue Arbeit, nicht unbedingt in einem Büro, wo man 8 Stunden an dem Bürostuhl gebunden ist und die ersten drei Tage rennt man nur einem, hoffentlich netten Kollegen, hinterher.kötern8kötern1Für drei Tage ist das ja noch ok, aber nicht wenn man aufs Tante Meier geht, da möchte man doch lieber alleine hin.                                            Irgendwann wenn die Wege einstudiert sind fängt es dem, hoffentlich netten, Kollegen an zu nerven, wenn ständig jemand hinter ihm her kötert.

kötern5Ähnlich sieht es bei der Hausarbeit aus, man kommt zu nix und fällt ständig über Kind oder Hund. Wenn es dann der Wellensittich ist der einem hinterher kötert, wird es schon mal gefährlich für den Vogel, denn wenn man versehentlich auf den tritt, kann das dramatische Folgen haben, bis hin, dass der Vogel nicht mehr piept.

Besonders nervig ist es, wenn man es sehr eilig hat. Denn wenn ständig einer hinter einem herkötert, kommt man schon mal in Schwierigkeiten.

kötern2          kötern3

Feierabend gibt es beim Hinterherkötern auch nicht, egal ob man seinem Hobby kötern4nachgeht oder einfach nur gemütlich Fernsehen sehen will. Die einzige Möglichkeit sich dem Kötern zu entziehen ist, dass die oder der Besagte vor einem einschläft.

Fazit:                                                                      Wenn man aus dem Kindergartenalter raus ist, muss man nicht ständig jedem hinterher dackeln.

„Up ewig ungedeelt“ oder Vertrag von Ribe

Flagge11Mal wieder etwas Geschichte.

„Up ewig ungedeelt“ unser Motto.
Und wieder dieser deutsch/dänische Kuddelmuddel.

Wie schon die Vorgeschichte zeigte ist es schwer die Geschichte Angelns nur für sich zu sehen. Angelns Geschichte ist immer mit der Geschichte von Schleswig – Holstein verbunden, erst recht seit dem Vertrag von Ribe.

Herzog Adolf VIII. – zugleich Graf von Holstein und Stormarn, deutsch orientiert, und als Adolf I. auch Herzog von Schleswig, dänisch orientiert – hinterließ nach seinem Tod 1459 keinen direkten Erben.Ribe1Und da trat natürlich die Frage auf, welches Erbrecht jetzt gilt denn jetzt, das Deutsche oder das Dänische. Schwierig, schwierig. Es sollten auf jeden Fall aufkeimende Konflikte zwischen der Nord – und Ostsee verhindert werden.       Das Ziel war ein Herrscher für beide Landesteile.

Die Ritterschaft fasste hierfür den Sohn der Schwester Adolfs VIII, König Christian I. von Dänemark, ins Auge

Ribe3Christian I. lud, im Jahr 1460, zu einer Versammlung der Ritter nach Ribe. Hier wurde er am 2. März, unter Umgehung des deutschen Rechtes, zum Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein (ab 1474 Herzog) gewählt. Christian I. regierte Dänemark, sowie Schleswig und Holstein in Personalunion und war quasi sein eigener Lehnsmann.

Flagge5 +  Flagge1 = Flagge2

Ribe2

Die Lehnsherrschaft ging dadurch nicht automatisch an die dänischen Könige, diese mussten wiedergewählt werden. Durch Zugeständnisse und weitgehende Rechte der Ritter war die Wahl der Lehnsherrschaft obligatorisch. Diese Rechte sicherte die Handfeste, wie der Vertrag korrekt heißt, der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft zu, darunter u.a. die Kriegs-, Steuer- und Münzbewilligung.Ribe5Die bekannteste Passage des Vertrags ist bis heute

„dat se bliven ewich tosamende ungedelt“ (dass sie ewig ungeteilt zusammen bleiben)

Schleswig und Holstein 1650

welche politisch wie wirtschaftlich für die Ritter von Belang war, da die lokale Landverteilung einem Flickenteppich in unterschiedlichen Konstellationen glich.

Bis Mitte des 19. Jahrhundert gab es mit „ up ewig ungedeelt“ keine großen Probleme, erst dann wurde diese Zusammengehörigkeit in Frage gestellt. Die Holsteiner wollten sich dem Deutschen Bund anschließen und die meisten Schleswiger wollten bei den Dänen bleiben. Die Angeln waren sich zu der Zeit auch nicht einig, auf welche Seite sie sich schlagen sollten.

Flagge6                Flagge13                 Flagge8

Flagge4

Kurz vor dem Deutsch – Dänischen Krieg erklärte Bismarck am Silvesterabend 1863 : „Die “Up ewig-ungedeelten” müssen einmal Preußen werden“Nach dem Kriegsgewinn der Deutschen 1864, ging ganz Schleswig und Holstein an den Deutschen Bund, aber Preußen wurden wir nicht.

Nach der deutschen Niederlage des 1. Weltkrieg, durften die Schleswiger 1920 wählen ob sie deutsch oder dänisch sein wollten. Das Herzogtum Schleswig wurde durch diese Wahl friedlich in einen nördlichen, dänischen Teil und einen südlichen, deutschen Teil geteilt. Diese Grenzziehung zwischen Flensburg und Tondern, hat bis heute bestand.

Flagge5                  Flagge1

Angeln wurde endgültig deutsch.

Das „Up ewig ungedeelt“ gehört auch heute noch zu unserem schleswig-holsteinischen Leitbild, auch wenn der nördliche, dänische Teil von Schleswig politisch nicht mehr dazugehört. Wir pflegen jedoch freundschaftliche Kontakte zu den Dänen.Flagge3Ich kenne auch Paare die sich „Up ewig ungedeelt“ in ihre Eheringe haben gravieren lassen. Und wenn das bei uns schon seit 1460 funktioniert, kann den Paaren ja nichts passieren.