Nordisch für Zugereiste 9 – Tüddeln oder Tüdern

Tüddel13Gute Frage. Manchmal komme ich beim „tüddeln“ und „tüdern“ richtig „in tüddel“. Sowie neulich beim „Büddel“. Da kam bei mir die Frage auf, heißt es: „Tüddelbüddel“ oder „Tüderbüddel“? Wenn ich es so vor mich hin nuschele, können beide Variationen herauskommen.

Ich versuche, es mal aufzudröseln.

Tüddel1Tüddeln“ kann man am Besten mit „durcheinander kommen“, „verwirrt sein“ übersetzen.

Demente Menschen sind auch „tüddelich im Kopf“ und das ist wohlwollend gemeint.

In einer Gruppe, in der alle durcheinanderreden und jeder etwas von einem will, wird man leicht „tüddelich im Kopf“, da man nicht mehr weiß, wer was von einem will.

Tüddel11

Hat jemand eine total abwegige Idee, wird ihm auch schon mal nachgesagt, er sei „tüddelich im Kopf“.

 

Tüddel7

Rumtüddeln“ dagegen hat nichts mit einem wirren Kopf oder einem alkoholischen Getränk zu tun.                  Wobei ? – Das eine zum anderen führen kann.

Beim „rumtüddeln“ macht man Dinge, die nicht wirklich wichtig sind. Wie Tüddel9Visitenkarten gestalten, ohne dass man sie braucht. Erst sucht man im Internet nach dem günstigsten Anbieter, dann bastelt man am Design und zum Schluss bestellt man sie. Man „tüddelt“ eben rum.

Beim „Rumtüddeln“ kann man auch Dinge erledigen, die eben gemacht werden müssen. Wie ein Kükenstall bauen, ein Bild aufhängen oder Papierkram erledigen, …                                                                                                                                             Hm, geht es darum aufzuräumen, Ordnung zu schaffen, kann man hier auch „rumtüdern“ sagen.

Noch alles klar? Einen „Tüddel“ habe ich noch, den aus dem „Tüddelband“ Lied.

An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüddelband“                                                                  „An der Ecke steht ein Junge mit einem Seil“Tüddel8Wenn he blots nich mit de Been in’n Tüddel kommt“                                               „wenn er sich nur nicht mit den Beinen verheddert“

Tüddel5

Hier stellt sich mir die Frage, ob nicht vielleicht ein „Tüderband“ gemeint ist. Das wäre so, wenn der Junge etwas „antüdern“ wollte, was nicht der Fall ist. Er „tüddelt“ nur mit dem Seil rum.

Aber was ist ein „Tüderband“ und wozu braucht man es? Zum „Tüdern“ natürlich. Kleiner Scherz.

Tüddel10Ein „Tüderband“ ist ein Strick, mit dem man Kühe, Schafe oder Ziegen anbindet. Der Strick ist am anderen Ende mit einem Pflock verbunden und dieser Pflock ist im Grasboden verankert.

Nachdem die Tiere das Gras in ihrem Umkreis aufgefressen haben, werden sie samt Pflock umgesetzt. Tüddel4

Das nennt man „Tüdern“, das Tier ist „getüdert“.

Man kann aber auch andere Dinge „antüdern“, und zwar wenn etwas ordentlich angebunden wird, sodass es auch lange hält.                                                        Aber Achtung, wenn etwas ganz schlampig oder ohne Sinn „angetüdert“ wurde, wurde es eher „angetüddelt“.                                                                                                   Also:                                                                                                                                    Wenn man etwas ordentlich anbindet, sodass es auch lange hält, „tüdert“ man es an.

Tüddel2    Tüddel3  

  Wenn man aber etwas auf die Schnelle anbindet und es nicht lange halten muss, „tüddelt“ man es an.

Tüdern“ oder „vertüdern“ bedeuten auch, etwas in Unordnung bringen.            Aber wenn man sich um das Wohl eines Kranken bemüht, „betüdert“ man ihn.

Tüddel6

Ob man sich selbst einen „antüddelt“ oder „antüdert“ ist egal, Hauptsache man hat am nächsten Tag keinen „Haarbüddel“.

 

Ob man „tüddeln“ und „tüdern“ mit einem oder zwei „d“ s schreibt, da scheiden sich die Geister. Die einen sagen so, die anderen so. Wichtiger ist, dass man das „ü“ richtig spricht. Es wird – egal wieviele „d“ s ihm folgen – lang ausgesprochen wie bei „Tüte“.                                                     Tüddel12Eins kann ich aber sicher sagen, die „Tüddelchen“ über den Umlauten haben weder etwas mit „tüddeln“ noch mit „tüdern“ zu tun.

Noch Fragen?

 

Helgoland

Helgoland19Ich war am Wochenende auf Helgoland und ich will niemandem diese schöne Insel vorenthalten.

Ich dachte erst, eine Nordseeinsel hat nicht viel mit Angeln zu tun. Als ich mir aber die Geschichte ansah, stellte ich fest, dass Helgoland von 1713 – 1814 dem Herzogtum Schleswig unterstellt war. Der Bezug zu Angeln ist also da.

Helgoland23

Diese kleine Insel, ein roter Klotz in der Nordsee, bietet einige Höhepunkte.                              Nach einer ca. 3-stündigen Schifffahrt von Büsum aus, ankert das Schiff vor dem Hafen.

Helgoland18                                                               

Die Passagiere werden von dort ausgebootet und mit „Börtebooten“ an Land gebracht. Bei der Rückfahrt das Gleiche, nur umgekehrt; und je rauer die See ist, umso spannender ist das Ein- und Ausbooten.

Ist man an Land und hat die Seekrankheit überwunden, geht es in Richtung Oberland.Die Geschäftszeile kann man erst einmal links liegen lassen, zollfrei einkaufen kann man ja zur Not noch kurz vor Abfahrt.

Helgoland25

Der Weg vom Unterland zum Oberland führt entweder über eine von drei Treppen (182 bis 260 Stufen) oder man nimmt den Fahrstuhl. Nach ein paar Häusern, es sind wirklich nur ein paar, fängt auch schon die Natur an. Richtung „Lange Anna“ wird es entlang der Klippen immer lauter und die Vogeldichte geht am „Lummenfelsen“, dem kleinsten Naturschutzgebiet Deutschlands, in die Tausende.

Helgoland2

Von weitem sieht es aus, als ob schwarze Streifen das Gestein durchzieht, wenn man aber näher kommt, sind es tausende Trottellummen bei der Brutpflege.

Die steilen Klippen sind voll von brütenden Trottellummen, Basstölpeln, Dreizehenmöwen und anderen Seevögeln. Das Faszinierende ist, dass weder Eier, Küken noch Altvögel runter fallen. Außerdem herrscht ein rege Flugverkehr.Helgoland1 

Helgoland24Die Küken der Trottellummen müssen im Alter von ca. 3 Wochen von den bis zu 50 m hohen Klippen springen. Was ist schlimmer, wenn man nicht fliegen kann ? Mit 3 Kilo zu springen oder mit 3 Wochen? Die Väter der Küken schwimmen dazu auf dem Wasser und rufen ihre Jungen. Diese springen und landen unbeschadet am Ufer oder in der Nordsee. Man nennt das Spektakel auch „Lummensprung“. Er ist in der Zeit von Mitte Juni bis Mitte Juli zu sehen.

Helgoland4

An die Basstölpel kommt man auf Armeslänge heran, nur getrennt durch ein Geländer. Sie turteln, brüten und versorgen ihre Jungen und sie lassen sich dabei nicht von den Menschen stören, die in Scharen mit Fotoapparaten an dem Geländer kleben. Es ist natürlich geboten einen Respektabstand zu halten. Wenn man merkt das sich die Vögel gestört fühlen, soll man sich zurück ziehen.

Helgoland5

Wenn man sich von den Vögeln lösen kann, geht es von der Hauptinsel auf die Nebeninsel, die „Düne“.

Helgoland21Dort erwartet einem ein schöner, breiter Sandstrand und – was an der Nordsee nicht selbstverständlich ist – es ist Wasser da, auch bei Ebbe.

Helgoland10Etwas irritierend sind die vielen kleinen schwarzen Bojen, die scheinbar emotionslos im Wasser dümpeln. Kommt man aber an die Wasserkante, kann man erkennen, dass es Seehunde sind, die ihre Köpfe auf dem Wasser recken, auch kabbelten sich Seehunde im seichten Wasser.Helgoland11Helgoland8Die Seehunde machen sich einen Spaß daraus, mit Schwung auf die Menschen zu schwimmen, sodass man schnell zurückweichen muss, da man 30 m Abstand halten soll. Danach fläzen sie sich im Flachwasser.Helgoland9Am hinteren Ende vom Strand liegen ca. 50 Kegelrobben und machen sich einen faulen Lenz.Helgoland12 Kegelrobben sind ganz schöne Kaventsmänner, man gut, sie sind friedlich gestimmt.

Helgoland13Helgoland15Helgoland14

Hier gilt das Gleiche wie bei den Vögeln: fühlen sie sich gestört, ist Rückzug angesagt.

Die Tierwelt von Helgoland ist beeindruckend, tausende Vögel, entspannte Seehunde und Kegelrobben. Helgoland41Es lohnt sich die Insel zu besuchen, am besten während der Brutzeit zwischen Mai und Juli, da außerhalb der Brutzeit die Seevögel nicht da sind.

Vielleicht findet ihr, in der Galerie, noch Küken und Eier.

Nordisch für Zugereiste 8 – Büddel

Büddel5Scheinbar ein einfaches Wort, leicht zu übersetzen „Büddel –> Beutel“ fertig. Ja und? Natürlich ist es nicht ganz so einfach; denn es gibt nicht nur einen „Büddel“.

Büddel3Der „Einkaufsbüddel“ ist wohl jedem bekannt, da es allgemein üblich ist einen Einkaufsbeutel, -tasche beim Einkaufen dabei zu haben. Auch „Müllbüddel“ und „Wäschebüddel“ lassen sich noch leicht herleiten.

Büddel1Beim „Postbüddel“ sieht es schon anders aus; denn es ist nicht der Büddel2Postsack damit gemeint. Der „Postbüddel“ ist bei uns der Briefträger und nicht jeder mag „Postbüddel“ genannt werden, die meisten sehen das aber entspannt.

Der „Haarbüddel“ – „Haarbeutel“ hat dagegen so überhaupt nichts mit einem Beutel zu tun und auch nur sehr entfernt mit Haaren, man kann ihn auch nicht in die Hand nehmen. Es ist also keine „Mitropa-Duschhaube“.               Büddel7

Den „Haarbüddel“ bekommt man hinBüddel6 und wieder nach einem geselligen Abend, wenn die Gläser ziemlich tief waren. Am nächsten Morgen ist er dann da, der dicke Kopf, der Kater, leider nicht der auf vier Pfoten.

Büddel4

Den Kindern ist der „Tüddelbüddel“ vorbehalten, manchmal findet man ihn auch bei Opa. Dieser „Büddel“ ist aber auch nicht in die Hand zu nehmen. Wörtlich übersetzt ist er ein phantasievoller „Quatschkopfbeutel“. Alles klar? Nee? Ein Kind, das Geschichten erzählt, uns phantasievoll, nicht immer die Realität treffend, die Welt erklärt, ist ein „Tüddelbüddel“.                                                                                                       Manchmal bin ich es hier auch, wenn ich versuche Euch die Welt „Angeln“ zu erklären.